Weihbischof will Dialog mit Juden und Muslimen stärken

Arbeitskreis interreligiöser Dialog des Ruhrbistums baut auf guten Kontakten zu den Synagogengemeinden auf und nimmt das Judentum stärker in den Blick. Weihbischof Zimmermann engagiert sich jetzt auch auf Bundesebene für den christlich-jüdischen Dialog.

Angesichts der jüngsten Zuwanderungswellen mit vielen Muslimen und Christen aus orientalischen und orthodoxen Konfessionen hat der christlich-jüdische Dialog in den vergangenen Jahren ein gewisses Schattendasein geführt. Das möchte der Essener Weihbischof Wilhelm Zimmermann ändern. Der Bischofsvikar für den interreligiösen Dialog arbeitet seit kurzem auch in dem Gremium der Deutschen Bischofskonferenz mit, das den Kontakt zum Judentum gestaltet. Vor diesem Hintergrund hat sich am Mittwochnachmittag auch der Arbeitskreis interreligiöser Dialog im Ruhrbistum mit dem christlich-jüdischen Dialog befasst. Im Interview spricht Weihbischof Zimmermann über den Dialog mit Juden und Muslimen – und die gemeinsamen Anstrengungen gegen Antisemitismus.

Bistum Essen: Herr Weihbischof Zimmermann, wie steht es um den Kontakt zwischen Juden und Katholiken im Bistum Essen?
Weihbischof Wilhelm Zimmermann: Die Beziehungen zwischen unserem Bistum und den jüdischen Gemeinden in Bochum, Gelsenkirchen, Essen und Duisburg sind gut. Als sich im vergangenen Jahr die antisemitischen Vorfälle häuften, haben Bischof Franz-Josef Overbeck und ich alle vier Gemeinden besucht, um unserer Solidarität mit unseren jüdischen Nachbarn zu bekräftigen. Im Februar ist der Gegenbesuch der jüdischen Gemeindevorsteher im Essener Bischofshaus geplant. Zugleich bleibt der Antisemitismus ein Problem – egal ob aus der rechtsradikalen oder aus der muslimischen Ecke. Dass Juden heute wieder offen angefeindet werden, wenn sie in der Öffentlichkeit eine Kipa tragen, ist ein Skandal, gegen den alle Menschen aufstehen müssen, denen ein friedliches Zusammenleben wichtig ist.

Bistum Essen:Als Bischofsvikar für den interreligiösen Dialog haben Sie gute Kontakte zu Juden und Muslimen im Ruhrgebiet – ist das nicht die Basis für einen Verständnis und Frieden stiftenden Dialog?
Weihbischof Zimmermann: Ich sehe unser Bistum da tatsächlich in einer Vermittlerrolle, aber wir stehen noch sehr am Anfang. Sowohl die jüdischen als auch die muslimischen Gemeinden sind von einem hohen Anteil an Zuwanderern geprägt, die auch ihre national und kulturell geprägten Vorstellungen von Toleranz und Zusammenarbeit mitbringen. In beiden Gemeinschaften sind die Dinge in Bewegung, und wir erleben auf beiden Seiten sowohl verständige Menschen als auch Vertreter, für die ein Dialog mit der jeweils anderen Seite bislang kaum vorstellbar ist. Aber wir tasten uns langsam voran – und wir können auf unsere Erfahrungen in der christlichen Welt bauen: Auch für die orthodoxen Christen in unserer Region öffnen wir von Zeit zu Zeit einen Runden Tisch, an dem Religionsvertreter miteinander ins Gespräch kommen, zwischen deren Konfessionen es eigentlich keinen Dialog gibt.

Bistum Essen: Und jenseits der Funktionäre – wie bekommen wir den Antisemitismus da in den Griff?
Weihbischof Zimmermann: Antisemitismus ist eine gesellschaftliche Herausforderung, auf die es nicht eine einzige Antwort gibt. Ich sehe hier zwei wichtige Aspekte: Zum einen müssen wir in unserer Gesellschaft den hohen Wert der Religionsfreiheit stärker betonen. Es ist eine historische Errungenschaft, dass in unserem Land jeder das glauben darf, was er möchte. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf dem Dialog zwischen den Religionen überhaupt erst stattfinden kann. Und dann sehe ich zum anderen ganz konkrete Möglichkeiten, im Religionsunterricht unserer Schulen für Verständnis und Toleranz zu werben. Gerade an einigen Berufskollegs erleben wir, dass der Religionsunterricht ausgesprochen beliebt ist – und dies nicht nur bei Christen, da dort christliche Wertvorstellungen vermittelt werden, die als Grundlage das christliche Menschenbild haben, das auf der Gleichwertigkeit aller Menschen beruht. Hier ist eine starke Basis, um mit der jungen Generation an einer friedlicheren Gesellschaft zu bauen.

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