„Vater der Jazzmessen“ Leo Schuhen ist tot

Bekannter Duisburger Kirchenmusiker war ein großer Unterstützer moderner, jugendlicher Kirchenmusik. Nun ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

Der Duisburger Kirchenmusiker Leo Schuhen, bundesweit bekannter „Vater der Jazzmessen“, ist tot. Kurz nach seinem 92. Geburtstag ist der als „Entwicklungshelfer in Sachen Neues Geistliches Lied“ bekanntgewordene Musiker vor wenigen Tagen gestorben. „Leo Schuhen war jahrelang ein – über seinen Duisburger Arbeitsbereich hinaus – äußerst engagierter Kirchenmusiker unseres Bistums“, würdigte der Bischöfliche Beauftragte für die Kirchenmusik, Stefan Glaser, den Verstorbenen. „Schon in den beginnenden 1960er-Jahren setzte er sich für den damals noch neuen Bereich der christlichen Popularmusik ein und prägte damit unser Bistum bis heute.“

Musikalische Kreativität, Experimentierfreudigkeit, Ideenreichtum und Unternehmungslust – das alles zeichnete Schuhen aus. Auch heute noch werden mit seinem Namen die „Duisburger Jazzmessen“ der 1960er Jahre verbunden, die damals sogar im Fernsehen übertragen wurden. Neue Wege in der Kirchenmusik zu suchen, um einer „sich mehr und mehr ausbreitenden Lethargie des liturgischen Gemeindegesangs entgegenzuwirken“, wie Schuhen es selbst formuliert hat, war immer sein wesentliches Ziel. 40 Jahre lang war Schuhen Kantor in der Duisburg-Hüttenheimer Gemeinde Maria Himmelfahrt: „Da musste doch endlich mal ein Funke überspringen“, sagte er einmal rückblickend.

„Den ,Jazz-Messen‘ folgten rasch Schuhens Übertragungen von Spirituals und Gospels in die deutsche Sprache. Dies war der Beginn der ersten ,Rhythmischen Lieder‘ die später dann in das Neue Geistliche Lied mündeten“, erläuterte Glaser. Seine Bemühungen, mit Elementen des Spiritual, Jazz, Pop, Rock und der Folklore sowie mit neuen Texten den Gemeindegesang zu beleben galten als bundesweit richtungsweisend. Dieser Weg war nicht unumstritten, aber Leo Schuhen hatte diesbezüglich immer einen „langen Atem“. Und der wirkt bis heute im Bistum Essen nach, das mit der Reihe der „Halleluja“-Liederbücher dem heute längst nicht mehr so neuen Neuen Geistlichen Liedgut eine wichtige Plattform bot und mittlerweile zwei Pop-Kantoren beschäftigt, um christliche Pop-Musik für Gottesdienste und Konzerte im Ruhrbistum bekannt zu machen.

Gottesdienstbesucher nie nur Zuhörer sein lassen

So wie die Pop-Kantoren wollte auch Schuhen Menschen für die christliche Musik und musikalische Projekte begeistern, Gottesdienstbesucher nie nur Zuhörer sein lassen, sondern sie mit einbeziehen. Offenes Singen – zum Beispiel in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim –, Chorprojekte auf Katholikentagen, bei Musikfestivals oder Auslandsreisen, Matineen und Konzerte haben diesbezüglich immer seine unverwechselbare Handschrift getragen. Darüber hinaus brachte er sich ehrenamtlich in die Arbeit des Cäcilienverbands ein. Dass es möglich ist, Altes und Neues miteinander zu verbinden, auch das hat er immer wieder unter Beweis gestellt. Nach seiner Pensionierung 1991 leitete Schuhen noch bis 2002 den Sonderchor des Bistums Essen. 1993 rief er gemeinsam mit anderen die „Kunstnacht Mündelheim“ ins Leben. Den Kirchenraum als Ort anzubieten, in dem sich Kunst entfalten kann, wo Kunst im Unterschied zum Konzert- oder Theatersaal auf eine andere Art erfahrbar wird, das war eines der wesentlichen Ziele dieses Projektes.

Kirchenmusik muss „gemeinschaftsstiftend“ sein

Zu seinem 90. Geburtstag blickte der zweifache Großvater vor zwei Jahren froh und dankbar zurück, dass er nach seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker noch einige Semester „drangehängt“ habe, um sich der sogenannten „Jugendmusik“ zu widmen. Das sei eine „entscheidende Weichenstellung“ gewesen. Schon ein paar Jahre zuvor hatte Schuhen betont, dass Kirchenmusiker umfassend ausgebildet werden müssen. Es gehe schließlich nicht nur um „Fingerfertigkeiten“. „Die Kirchenmusik ist letztlich auch eine Arbeit für und mit Menschen“, so Schuhen. Sie müsse „gemeinschaftsstiftend“ sein, in der Liturgie genauso wie in der praktischen Chor- und Instrumentalarbeit.

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