Mehr Frauen in Leitungspositionen der Kirche

Deutsche Bischöfe wollen den Anteil in vier Jahren auf mindestens ein Drittel steigern. Aktuelle Studie weist nach: Entscheidend ist der Wille der Bistumsleitung und eine konsequente Frauenförderung.

Die katholische Kirche in Deutschland hat sich eine Frauenquote verordnet: Die Bischöfe wollen den Anteil von Frauen in Leitungspositionen der Bistümer in den kommenden vier Jahren auf mindestens ein Drittel steigern. Das kündigte der Vorsitzende der Unterkommission Frauen der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, während der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag in Lingen an.

In den Bistumsverwaltungen ist der Anteil der Frauen auf den Chefetagen in den vergangenen fünf Jahren zwar gestiegen, nach wie vor sind sie dort aber unterrepräsentiert. Das geht aus der in Lingen vorgestellten Studie „Frauen in Leitungspositionen deutscher Ordinariate und Generalvikariate 2018“ hervor, die die Bischofskonferenz nach 2013 zum zweiten Mal in Auftrag gegeben hatte. Laut Dr. Andrea Qualbrink, Leiterin des Studienprojekts und Referentin für Strategie und Entwicklung im Bistum Essen, beschreibt die Studie insgesamt sowohl positive Entwicklungen als auch offene Aufgaben, die in den Bistümern und auf Deutschland-Ebene zu bearbeiten seien. In zahlreichen Generalvikariaten seien seit 2013 zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils ergriffen worden. „Entscheidend für eine positive Entwicklung ist die Haltung und der Wille der Bistumsleitung und die Konsequenz in der Umsetzung“, so Qualbrink: „Es ist noch Luft nach oben.“ Denn nach wie vor liege der Frauenanteil an Leitungspositionen nur um rund 20 Prozent. Immerhin aber seien freie Stellen seit 2013 häufiger mit Frauen besetzt worden: auf der oberen Leitungsebene zu 25 Prozent und auf der mittleren Leitungsebene zu knapp 36 Prozent.

Dieser Zuwachs „ist nicht nichts, aber längst nicht zufriedenstellend“, urteilte auch Bischof Bode. Die Zielvorgabe der Bischöfe, den Frauenanteil insgesamt auf ein Drittel der Führungspositionen anzuheben, werde 2023 überprüft, so der Osnabrücker Bischof.

Hinderungsgründe für einen Aufstieg von Frauen sieht die Studie vor allem in den Bedingungen der Organisation Kirche begründet: Wenn Leitungsfunktionen vor allem mit Klerikern besetzt würden oder neue Führungsmodelle wie Leitung in Teilzeit oder Flexibilität fehlten, um eine Leitungsstelle mit privaten Sorge-Aufgaben zu vereinbaren, stelle dies offenbar ein Hindernis vor allem für Frauen dar.

Laut der Studie haben sechs Bistumsverwaltungen gar keine Frau auf oberer Leitungsebene, elf beschäftigen je eine Frau, fünf je zwei und weitere fünf Bistümer drei bis fünf Frauen in einer solchen Funktion. Damit werde selten die "kritische Masse" von 30 Prozent auf dieser Ebene erreicht, fasst Qualbrink die Studienergebnisse zusammen.

Nach den Worten von Bode unterstützten die Bischöfe das Mentoring-Programm des Hildesgardis-Vereins, um mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen zu bringen. Bei dem Projekt werden seit 2016 führungsinteressierte Frauen von einer Mentorin oder einem Mentor begleitet und in zentralen Veranstaltungen fortgebildet. Bis Ende des zweiten Durchgangs im Sommer 2020 werden 100 weibliche Nachwuchskräfte aus 23 Diözesen und katholischen Hilfswerken an dem Mentoring teilgenommen haben, wie die Vereins-Geschäftsführerin Birgit Mock in Lingen erläuterte. Ein dritter Durchgang sei geplant.

Am Rande der Vollversammlung der deutschen Bischöfe hatten katholische Frauen für mehr Beteiligung in der Kirche demonstriert. Am Montagabend übergaben Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) an Bischof Bode knapp 30.000 Unterschriften zur Erneuerung der Kirche und Aufklärung der Missbrauchsfälle.

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