von Ulrich Lota

Im Gespräch über die wichtigen Fragen

Michael Schlagheck wechselt nach über zwei Jahrzehnten als Direktor der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim in den Ruhestand. Nachfolgerin wird seine bisherige Stellvertreterin Dr. Judith Wolf.

Seinen Abschied hatte er bereits im vergangenen Jahr angekündigt – und damit viele überrascht. Typisch für einen, der sich nie gerne hat treiben lassen, schon gar nicht von Renteneintrittsdaten, der seine Lebensplanung immer gerne selbst bestimmt und mit seiner Entscheidung zum vorzeitigen Ausscheiden einmal mehr vorgegebene Bahnen verlassen hat. Und doch fällt es schwer, sich die „Wolfsburg“, die katholische Akademie des Bistums Essen, künftig ohne ihren langjährigen Direktor Michael Schlagheck vorzustellen. Ende Juni übergibt der 64-jährige promovierte Pädagoge sein Amt an seine langjährige Stellvertreterin Dr. Judith Wolf.

Keine Frage: Michael Schlagheck hat der „Wolfsburg“ während seiner 24-jährigen Amtszeit seinen Stempel aufgedrückt. Als Volkshochschule für katholische Bildungsbürger hat er die Akademiearbeit nie verstanden. Nicht nur am Puls der Zeit bleiben, sondern als kirchliches Bildungshaus voraus-denken. Das war stets der Anspruch von Michael Schlagheck. Im Gespräch bleiben. Über alle wichtigen Fragen. Ohne Tabus, ohne bereits fertige Antworten. Die christliche Perspektive in die Debatten einbringen und doch sich zugleich selbst anfragen zu lassen und so anschlussfähig zu halten, sich immer wieder neuen Themen, Herausforderungen und Entwicklungen zu stellen.

Für Schlagheck zeichnet sich katholische Akademiearbeit dadurch aus, „die Wirklichkeit aufmerksam wahrzunehmen, sich auf Pluralitäten einzustellen, mit Andersartigkeiten achtsam und respektvoll umzugehen“. So geben die Wolfsburg-Programme der zurückliegenden zwei Jahrzehnte ein beredtes Zeugnis der vielfältigen Entwicklungen und spannenden Veränderungsprozesse in Kirche, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur. Anspruchsvoll war er auch, wenn es darum ging, fachkundige, markante und profilierte Referentinnen und Referenten für die Veranstaltungen zu gewinnen. Kein Wunder, dass er die Zahl der Akademiebesucher und Gäste während seiner Amtszeit enorm steigern konnte. Kaum zu zählen sind auch die prominenten Persönlichkeiten, die Schlagheck als Gesprächspartner ins Haus holte und so die Akademie des Ruhrbistums weit über die Bistumsgrenzen hinaus bekannt machte.

Nicht ohne Stolz verweist Schlagheck in diesem Zusammenhang auf sein großes Team, das ihn in den zurückliegenden Jahren unterstützt hat – und manches erst ermöglichte. Insbesondere die vielen Gespräche mit den Dozentinnen und Dozenten der „Wolfsburg“ werde er vermissen, sagt er. „Ein kreatives, leidenschaftliches Team, mit dem es großen Spaß machte, gemeinsam über den Weg der Kirche und der Gesellschaft nachzudenken.“

Doch nicht nur die Akademiearbeit hat sich während seiner Amtszeit verändert. Auch die Akademie selbst erlebte zahlreiche Wandlungsprozesse. Blieb auch die denkmalgeschützte Jugendstilfassade des Tagungshauses in Mülheim-Speldorf unverändert, so verantwortete Michael Schlagheck zahlreiche notwendige Renovierungen, Um- und Ausbauten. Durch den Zukauf eines benachbarten Gebäudes konnte sogar die Zahl der Gästezimmer erweitert werden. Besonders am Herzen lag Schlagheck die Neugestaltung der Akademiekapelle. „Diesen Gottesdienstraum werde ich ganz sicher vermissen. Ein Raum, der von Wort, Musik und Schweigen getragen ist – wohltuend zu den Wortfluten in Kirche und Gesellschaft.“

Konkrete Pläne für seinen neuen Lebensabschnitt hat der scheidende Akademiedirektor nicht. Er freue sich jetzt auf die Zeit mit seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern und er hoffe auf mehr Zeit für Freunde und fürs Ehrenamt, sagt er. „Und ich freue mich auf Vieles, von dem ich heute noch nichts weiß.“

Zur Person: Michael Schlagheck

  • Michael Schlagheck wurde 1955 in Gladbeck geboren und studierte nach dem Abitur Katholische Theologie und Anglistik für das Lehramt an der Universität Essen. Nach dem Ersten Staatsexamen studierte er an der Universität Essen Erwachsenenbildung, Politikwissenschaften und Kath. Theologie mit dem Abschluss als Diplompädagoge. An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn setzte Michael Schlagheck seine Studien in den Fächern Erziehungswissenschaft, Psychologie und Christliche Gesellschaftslehre fort und promovierte mit einer Arbeit über die geistigen Wurzeln der Katholischen Akademiearbeit in Pädagogik und der theologischen Arbeit Romano Guardinis.
  • Vor seiner Tätigkeit in der Akademie arbeitete er als Assistent in einer Katholischen Studentengemeinde und später in verschiedenen Aufgabenfeldern des Bischöflichen Seelsorgeamtes Essen, zuletzt als Referent für Grundsatzfragen in der Leitung.
  • Seit 1995 ist er Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Essen Die Wolfsburg.
  • In den Jahren 2007 bis 2011 war Dr. Schlagheck Beauftragter des Bistums Essen für die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Damit zeichnete er verantwortlich für die Entwicklung und Durchführung der zahlreichen kirchlichen Projekte in der Kulturhauptstadt.
  • Von 2001 bis 2011 war Dr. Schlagheck Berater der Kommission für soziale und gesellschaftliche Fragen der Deutschen Bischofskonferenz.
  • In derinhaltlichen Akademiearbeitwidmet er sich u.a. mit verschiedenen Projekten dem Dialog von Theologie, Kultur und Psychoanalyse, dem Verhältnis von Gesellschaft, Staat und Kirche, pastoralen, internationalen und weltkirchlichen Fragestellungen sowie einem Forschungsprojekt zur Geschichte der Frauenstifte.
  • Über die Akademietätigkeit hinaus engagiert sich Dr. Schlagheck u.a. im Kuratorium der Duisburger Stiftung „Brennender Dornbusch“, als Kuratoriumsvorsitzender des Kirchhellener Jugendfördervereins „Philipp Neri“ und als Leiter des Augustinus-Forums der Stiftung der Neusser Augustinerinnen corunum.
  • Dr. Michael Schlagheck ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes.

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