Bottroper Barbara-Figur vor großem Auftritt

Heiligen-Statue von der 7. Sohle des Bergwerks Prosper Haniel wird am 20. Dezember beim ökumenischen Abschieds-Gottesdienst für den Bergbau in den Essener Dom getragen. Für viele Bergleute ist der heutige Barbaratag der letzte im aktiven Dienst.

Der große Auftritt ist ihre Sache nicht – seit siebeneinhalb Jahren steht die Barbara-Figur still und zurückhaltend hinter einer Glasscheibe rund 1200 Meter unter der Erde von Bottrop-Kirchhellen. In der Nähe des Schachts grüßt sie die ein- und ausfahrenden Bergleute, die hier auf der 7. Sohle des Bergwerks Prosper-Haniel bis zuletzt Steinkohle gefördert haben. Doch beim großen Gottesdienst zum Ende des Bergbaus am 20. Dezember wird die Barbara-Figur erstmals wieder ans Tageslicht gebracht und feierlich in den Essener Dom getragen. Symbolisch steht sie dort für den Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet, von dem die Christen an Rhein und Ruhr an diesem Abend Abschied nehmen.

Inmitten von Stein und Stahl haben die Kumpel der Barbara-Figur im Bergwerk einen Kranz aus Plastikblumen zu Füßen gelegt – ein bisschen Schmuck und Farbe in diesem doch eher lebensfeindlichen Ambiente. Nicht nur im Ruhrgebiet gehören Barbara-Figuren seit Jahrhunderten so fest zur Ausstattung von Bergwerken wie Arschleder oder Förderkörbe. Hunderte Meter unter der Erde verließen sich die Kumpel nicht nur auf Kameradschaft und Technik, sondern brachten oft auch auf eine gute Portion Gottvertrauen mit. Die frühchristliche Märtyrerin Barbara wurde zu ihrer Schutzpatronin, weil sich auf der Flucht vor ihrem jähzornigen Vater plötzlich eine Felsspalte vor ihr öffnete und ihr Schutz bot.

Wie viele Bergleute auf Prosper-Haniel gehört nun auch die Barbara-Figur zu den letzten ihrer Art. Kurz vor Weihnachten ist hier offiziell „Schicht im Schacht“. Und wenn die Bergleute am morgigen Barbaratag, 4. Dezember, ihre Schutzpatronin besonders feierlich ehren, werden viele Kumpel dies ein letztes Mal im aktiven Dienst tun. Schon seit dem 14. September ruht auf Prosper-Haniel die aktive Förderung. Seitdem „rauben“ die Bergleute in den Strecken und Streben alles Material, was nicht im Berg verbleiben darf oder anderweitig noch Verwendung finden kann.

Egal ob Katholik oder Protestant, Muslim oder Atheist, ihre Barbara-Figuren sind vielen Bergleuten heilig. Als die Organisatoren des ökumenischen Bergbau-Gottesdienstes im Dom anfragten, ob man die Figur auch schon für einen Probe-Durchlauf der Messe in den Dom holen könnte, signalisierte man den Planern schnell, dass die Barbara-Figur für den Test doch besser gedoubelt werden sollte: Ein aktives Bergwerk ohne den Schutz der Barbara-Figur, dass sei für Bergleute nicht denkbar. Deshalb kommt die Statue, die einst im Juni 2011 der Bottroper Propst Paul Neumann beim Auffahren der 7. Sohle gesegnet hat, nach ihrem Einsatz beim festlichen Bergbau-Abschied am 20. Dezember im Essener Dom rasch wieder zurück an ihren Platz. Schließlich werden nicht nur tags drauf Bergleute die symbolischen letzten Kohlen fördern, sondern auch in den Wochen und Monaten danach noch einige Bergleute in der Zeche beschäftigt sein. Und auch auf die, so hoffen die Kumpel, soll die Heilige Barbara doch bitte aufpassen. Bis zum Schluss.

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