Bischofskonferenz vergibt in Essen Preis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Nach Preisen für zwei Initiativen im Ruhrbistum zeichnete die Kirche am Donnerstag unter anderem Engagierte in Remscheid aus. Erzbischof Heße, Vorsitzender der Migrationskommission, erteilt dabei der Vereinnahmung des Christentums für menschenfeindliche Zwecke eine deutliche Absage: „Wer Hass und Misstrauen sät, kann sich nicht auf Jesus Christus berufen."

Nachdem die ersten zwei Auszeichnungen ins Ruhrbistum gegangenen waren, hat die Deutsche Bischofskonferenz die dritten Verleihung ihres Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus nach Essen verlegt

Mit dem Projekt „Global Village: Weltort Lennep“ aus Remscheid wurde wieder eine Initiative aus Nordrhein-Westfalen geehrt

Schon am Nachmittag hatten Praktiker, Experten und Ehrenamtliche aus der Flüchtlingshilfe in Essen beim vierten Katholischen Flüchtlingsgipfel diskutiert.

In der Essener Zeche Carl hat die Katholische Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag, 4. Juli, zum dritten Mal ihren Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verliehen. Nachdem die ersten beiden Preisträger – der Duisburger Pater Oliver Potschien und das sozialpastorale Zentrum Petershof und der Essener Diözesan-Caritasverband mit dem Zivilcourage-Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ – beide aus dem Ruhrbistum kamen zeichnete die Bischofskonferenz in diesem Jahr erneut ein Projekt aus Nordrhein-Westfalen aus: Den mit 4000 Euro dotierten ersten Preis überreichte der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße aus Hamburg, an das von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Bonaventura und Hl. Kreuz in Remscheid-Lennep initiierte Projekt „Global Village: Weltort Lennep“.

Zweite Preise (je 3000 Euro) erhielten die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands und der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland für ihre gemeinsame Initiative „Tacheles! Klare Kante gegen Extremismus“ sowie die Schweinfurter Caritas für das Projekt „Lesekoffer Flucht und Vertreibung“ und weitere Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe. Mit einem „Sonderpreis für eine innovative Projektidee“ (1500 Euro) wurde das „Café Hoffnung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen ausgezeichnet.

Laschet: Projekte sind „wichtiger Beitrag für unsere Demokratie“

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte die Preisträger. Alle hätten eines gemeinsam: „Sie stärken mit ihrem beeindruckenden Einsatz den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, indem sie sich gegen Menschenverachtung und den Hass zur Wehr setzen.“ Nordrhein-Westfalen sei ein weltoffenes und vielfältiges Land. „Jeder Form von Rassismus, Hetze und Bedrohung treten wir entschieden entgegen“, betonte Laschet in seiner Festansprache. „Mit ihrem Engagement leisten die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre ausgezeichneten Projekte einen wichtigen Beitrag für unsere Demokratie.“ Im Projekt „Global Village: Weltort Lennep“ aus Remscheid etwa arbeiteten „verschiedene Generationen und Kulturen Tag für Tag daran, dass Integration gelingt und Menschen bei uns eine neue Heimat finden können. Meinen größten Respekt!“, so Laschet.

Erzbischof Heße betonte eine weitere Gemeinsamkeit aller Preisträger: „Der Glaube spornt sie an, Ressentiments entgegenzutreten und Dialog zu ermöglichen. Mit Worten und Werken engagieren sie sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen die Abwertung des Anderen. Sie sind Vorbilder christlicher Nächstenliebe.“ Entschieden wandte sich Heße gegen jegliche Vereinnahmung des Christentums für menschenfeindliche Zwecke: „Wer Hass und Misstrauen sät, kann sich nicht auf Jesus Christus berufen. Der Platz der Kirche ist an der Seite derer, die unter Ausgrenzungen und Anfeindungen leiden.“

51.000 Ehrenamtliche in der kirchlichen Flüchtlingsarbeit

Vor der abendlichen Preisverleihung hatten bereits seit dem Nachmittag rund 150 Praktiker, Experten und Ehrenamtliche aus der Flüchtlingshilfe auf der Zeche Carl beim vierten Katholischen Flüchtlingsgipfel über Fremdenfeindlichkeit als Herausforderung der kirchlichen Flüchtlingshilfe diskutiert. Heße würdigte dabei ausdrücklich die rund 51.000 Ehrenamtlichen und die 5100 Hauptamtlichen, die im vergangenen Jahr in der kirchlichen Flüchtlingshilfe aktiv gewesen seien. Ebenso dankte er dem fortwährenden Einsatz der (Erz-)Bistümer und der kirchlichen Hilfswerke in Deutschland, die 2018 rund 125,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt haben: darunter 83,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe im Ausland und rund 37,5 Millionen Euro für die Unterstützung der Flüchtlingshilfe im Inland.

Ali Can: „Vielfalt ist das neue ,Made in Germany‘!“

Mit einem Impulsvortrag war auch der Essener Ali Can, Leiter des „Vielrespektzentrums“ in der Essener Nordcity und Initiator des bundesweit beachteten Hashtags #MeTwo im Programm des Flüchtlingsgipfels präsent. Seinem Hashtag, der sich an der „Metoo“-Debatte zum sexuellen Missbrauch orientierte, hatten sich viele Migranten angeschlossen, um von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus und Diskriminierung zu berichten. „#MeTwo hat gezeigt, dass Rassismus ein großes Problem in Deutschland ist“, so Ali Can. In der abschließenden Diskussionsrunde fragte er. „Ab wann ist ein Flüchtling kein Flüchtling mehr, sondern ein Nachbar, ein Studierender oder ein Deutscher?“ Die Zeit sei reif für eine Neudefinition des Deutschseins. „Wir haben alle mehr als eine Heimat. Vielfalt ist das neue ,Made in Germany‘!“, betonte Can.

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